• Hilge Kohler

So macht Online mehr Spaß!

Meine Lieblings-Tipps für lebendige Online-Moderation



Ich mag gute Online-Meetings. Ob Barcamp oder Konferenz, Arbeitstreffen oder Netzwerkabend. Ich nehme gern teil und moderiere gern.


Gute Online-Meetings sind lebendig. Sie machen Teilnehmende zu Beteiligten. Und sie sind immer gut moderiert. - Aber was ist gute Online-Moderation?


Dies sind meine 6 Lieblings-Tipps für alle, die lebendig online moderieren wollen. Sie stammen aus meinen Erfahrungen und Beobachtungen. Ich freue mich, wenn sie dazu anregen, Neues auszuprobieren.



Erstens: Teilnehmende früh einbinden


Wer sitzt gern in Meetings, in denen einer spricht und alle anderen schweigen? - Ich nicht.


Mein Eindruck: Je früher wir in Online-Meetings etwas sagen oder tun, desto aktiver beteiligen wir uns im Verlauf des Meetings. Je länger wir stumm bleiben, desto schwerer wird es, uns auf die virtuelle Bühne zu locken.


Aber wie locken wir Teilnehmende auf die Bühne? - Zum Beispiel mit einer freundlichen Begrüßung und Small Talk vor dem offiziellen Start. Mit einer kurzen Vorstellungsrunde, die gern auch spielerisch gestaltet sein kann. Oder mit einer Frage, die alle im Chat beantworten. Überhaupt ist der Chat in Online Meetings ein wundervoller Ort für Beteiligung, gerade für all jene, die nicht gern vor großen Gruppen sprechen.


Je besser wir in die Session hineinfinden, desto lieber gestalten wir sie mit.

Die Zeit für den Austausch am Beginn ist immer gut investiert.



Zweitens: Regeln setzen


Kamera an, Mikro aus: Das ist als Spielregel in Online-Sessions etabliert. Das Pendant zum “Handy stummschalten” im physischen Raum.


Aber warum bleiben Kameras dann doch oft aus? Mal genügen Bandbreiten nicht, mal muckt die Technik oder (so erlebt) die Teilnehmerin hat ungeföhnte Haare. Doch es ist mühsam, lauter schwarze Kacheln anzusprechen.


Liebe Leute, seid höflich und zeigt euch! Unaufgeräumte Zimmer, schlechte Frisuren und tobende Kinder sind allemal besser als schwarze Leere.

Dann geht es los: Die Rednerin spricht, wir lauschen - ich habe eine Frage. Was nun? Rufe ich dazwischen? Gebe ich Handzeichen, schreibe in den Chat oder warte, bis der Vortrag zu Ende ist? Vor Ort würden wir es ohne Worte klären, einige Gesten genügen – aber online? Gut, wenn Moderator:innen es vorab klären.


Nicht zu vergessen die Privatsphäre. Ist es ok, den Chat zu speichern? Und Social Media: Ein Browserfenster weiter ist Twitter offen - ob jemand etwas dagegen hat, dass ich einen Screenshot und Zitate tweete? Manche freut die zusätzliche Öffentlichkeit, andere fühlen ihre Privatsphäre verletzt.


Ja, mit Regeln zu starten ist nicht aufregend – aber es schafft Klarheit, die wohltuend für das Miteinander sein kann.


Drittens: Aufmerksamkeit sorgsam hegen


Wie lange hören Sie aufmerksam zu, wenn in einem Online-Meeting jemand einen Vortrag hält? Testen Sie es.


Wir sind leichter ablenkbar, als wir denken. Dahinter steckt weder böse Absicht noch Desinteresse.

Eine Notiz auf dem Schreibtisch, eine Nachricht im Browserfenster, der halb gegessene Apfel … Es braucht viel Disziplin, sich nicht ablenken zu lassen.


Wie lange bleiben wir im Schnitt aufmerksam? Auf die Minute genau ist das nicht wichtig. Klar sollte aber sein: Ein “kurzer Impuls” dauert eher fünf als zehn Minuten. Dann brauchen viele von uns eine Pause, Unterbrechung, Zerstreuung oder Ablenkung.


Gut, dass wir online so viele Möglichkeiten haben. Ein schnelles Feedback im Chat, eine Fragerunde mit Handzeichen oder Abstimmung am Whiteboard. Vielleicht kurz einen Gegenstand holen oder etwas auf Papier notieren. Hauptsache wir Teilnehmenden werden aktiv, etwas Neues geschieht und Bewegung kommt auf. Dann sind wir wieder auf Empfang - für die nächsten 5 bis 10 Minuten Vortrag.



Viertens: Beiträge wertschätzen


Es mag seltsam klingen, aber kann Wunder wirken: Freuen Sie sich über Beiträge Ihrer Teilnehmenden und sagen Sie es!


Es ist schließlich nicht selbstverständlich, dass jemand sich zu Wort meldet oder sich im Chat äußert. Und wenn Sie ein Online-Meeting moderiert haben, in dem stundenlang niemand etwas sagte oder schrieb - dann wissen Sie die Meldung Ihrer Teilnehmenden zu schätzen.


Also: Drücken Sie Ihre Wertschätzung aus dafür, dass jemand sich auf der virtuellen Bühne zeigt. Und dann erst gehen Sie auf Inhalte ein. So ermuntern Sie nebenbei auch andere, sich zu Wort zu melden.


Fünftens: Analoges einbeziehen


Auf der Bühne gibt es die vierte Wand. Das ist die unsichtbare Trennwand zum Zuschauerraum - der Graben, den wir überbrücken müssen, wenn wir Kontakt zum Publikum aufbauen wollen.


Online wirkt der Bildschirm wie die vierte Wand. Wir sprechen miteinander, aber fühlen uns doch getrennt.

Wenn wir diese Wand durchbrechen, dann können wir unsere Sessions persönlicher gestalten und in Beziehung mit den anderen treten.


Aber wie? Indem wir Analoges einbeziehen. Als würden wir durch den Bildschirm in die Räume der anderen steigen. Ich teile etwas aus meinem Raum mit den anderen. So bringe ich meine analoge Welt in den gemeinsamen digitalen Raum.


Möglichkeiten gibt es viele. Wir können kurz aufstehen und aus dem Fenster schauen, um im Chat zu beschreiben, was wir draußen sehen - so kommt gleich Bewegung und die Aufmerksamkeit steigt.


Oder wir stimmen ab, wer den schönsten Kaffeebecher hat. Wir schreiben unsere Gedanken mit Stift auf Papier, auch wenn wir sie gleich online eintragen könnten. Ein Kollege hat Teilnehmende mit einem Rechercheauftrag auf Safari durch ihre Wohnung geschickt; jemand anderes hat im Strategiemeeting Zettel auf Küchenschränke kleben lassen. Oder warum nicht eine Besprechung draußen im Gehen am Smartphone durchführen?


Mit analogen Elementen zu arbeiten, kostet nichts außer ein wenig Zeit. Vieles könnten wir auch digital lösen. Aber analog sprechen wir andere Sinne an, erweitern unseren Meetingraum und sorgen für Vertrautheit. Das beruhigt und entspannt. Probieren Sie es aus!



Sechstens: Spaß haben und entspannen


Apropos Entspannen: Nichts ist entspannender als gemeinsames Lachen.

Sie spielen und witzeln in geschäftlichen Meetings nicht? - Dann fangen Sie bitte damit an. Es ist das Beste, das Sie Ihren Teilnehmenden, sich selbst und Ihren Online-Meetings antun können.


Starten Sie mit einem Check-In oder Eisbrecher. Das sind kurze Sequenzen, in denen wir etwas Persönliches teilen, gemeinsam spielen oder anderweitig persönlich werden.


Einige mögen diese “Spielchen” gar nicht - selbst sie starten danach entspannt und freundlich gestimmt in die Session.

Probieren Sie es mit einer kurzen Frage nach dem Befinden, einem Bilder-Quiz zum Einstieg oder einem persönlichen Gegenstand in der Kennenlern-Runde (der uns gleichzeitig auch den analogen Raum näher bringt). Zwischen zwei Sequenzen können Sie zu einer Augenentspannung einladen (Sie finden das peinlich? Probieren Sie es trotzdem aus.) Oder Sie spielen eine Runde “Ich sehe was, das du nicht siehst” in den Räumen der Teilnehmenden.


Spielen macht Spaß. Und das macht Online-Sessions lebendiger.



Fazit


Virtuelle Meetings funktionieren anders als physische Treffen. Aber sie können genauso gut sein. Gute Moderation ist online noch wichtiger als vor Ort. Und sie ist wichtiger als Technik, Ton und Tools. Darin steckt eine gute Nachricht:


Online können wir so lebendig miteinander umgehen wie vor Ort - es liegt in unserer Macht.



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