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Von Analog zu Digital: Das Buch

Es begann im ersten Lockdown.

Seminare, Vorlesungen, Workshops fanden plötzlich online statt. Bewährte Lehrmethoden mussten angepasst, ersetzt und ergänzt werden.

Wir zogen los, um analoge Methoden ins Digitale zu bringen.

Wir, das sind Trainerinnen, Dozierende, Personalentwickler. Unser Ziel: Online-Seminare lebendig gestalten.

Entstanden ist ein Buch. 

Darin stellen wir unsere Lieblings-Methoden vor. Analoge Methoden und ihre digitalen Pendants, orientiert an einem Phasenmodell für gute Online-Lehre. Illustriert sind die Methoden von unserer Co-Autorin Hanne Fritz.

Das Buch stellen wir unter CC-Lizenz kostenfrei zur Verfügung.  
Warum wir das tun, erkläre ich in meinem Blog: “Schön, hilfreich und kostenlos - warum?

Verwendbar ist das Buch unter: CC BY Lerngruppe "Von Analog zu Digital" MOOCamp 2020. Illustrationen Sketchnotes: CC BY-ND Hannelore Fritz

Probieren Sie Methoden aus und lassen Sie Andere davon wissen. Haben Sie Fragen, Ideen, Kommentare? Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.

IRIVE - ein Modell, das Lehreinheiten Struktur gibt

Auch digitale Lehre braucht Struktur und Planung, meint Elvira Pfann.

Die Methodensammlung unseres Teams beruht auf einem Modell, das Lernvorgänge strukturiert. Formuliert hat es Elvira Pfann. Als wir in unserer Lerngruppe anfingen und auf der Suche nach einer Struktur für unsere Arbeit waren, zückte sie es und fragt, ob es helfen könnte. Einhellig war die Antwort: ja!

Natürlich gibt es mehrere Modelle, die eine Ablaufstruktur für Lehreinheiten, Seminare und Workshops bieten. Entscheidend in der Praxis ist, dass wir eines dieser Modelle benutzen. Dass wir eine Annahme darüber treffen, wie Menschen Informationen verarbeiten, sich Neues aneignen und vom Zuhören ins Machen kommen.

Das IRIVE Modell hat uns geholfen, unsere Methoden systematisch auszuwählen und zu priorisieren. Darüber hinaus hat sich das Modell in der Praxis bewährt: bei der Planung von Lehreinheiten und interaktiven Sessions. Zwei Beispiele sind im Buch beschrieben: Sie zeigen, wie das Modell zusammen mit den Methoden eine einfache Strukturierungshilfe bietet. Kurz gesagt: Es funktioniert.

In ihrem Artikel geht Elvira Pfann näher auf die Entstehungsgeschichte und die wissenschaftlichen Überlegungen hinter dem Modell ein.

Über das Lernen schreiben, um zu lernen

Öffentlich oder privat: Schreiben hilft beim Lernen.

Wir haben es getan. Doris Schuppe hat ihre Erfahrungen während unserer Lernreise beschrieben und in ihrem Blog veröffentlicht. Ich habe ein Lernjournal geführt - regelmäßig und akribisch, aber nie veröffentlicht.

So oder so: Schreiben hilft beim Lernen. Deshalb wird in der Corporate Learning Community stets empfohlen, ein Lerntagebuch zu führen und darin über eigene Fortschritte und Erkenntnisse zu schreiben. Wenn wir unser Lerntagebuch öffentlich führen, dann können wir andere an unserem Lernprozess teilhaben lassen, wir können mit ihnen darüber diskutieren und dabei weiter lernen - und manche von uns werden ihre Eigenverantwortung stärken und umso ernsthafter lernen, wenn sie die Ergebnisse öffentlich teilen.

Schreiben ist nicht nur wesentlich für den Lernprozess - es ist digital oder online mindestens so gut durchzuführen wie analog. Spannend wird es, wenn wir im digitalen Raum wieder analog werden: In analoger Stillarbeit die Gedanken mit Stift auf Papier zu bringen, kann geradezu erholsam wirken. Und eine A4-Seite zweimal zusammengefaltet ergibt schon ein kleines analoges Lernjournal. Andererseits: Lerntagebücher veröffentlichen, teilen und gemeinsam weiterführen war nie so einfach wie heute. Wäre doch schade, wenn wir die Chancen digitaler Lernjournale ungenutzt ließen.

Schreibend lernen liegt im Trend. Deshalb ist eine unserer fünf Lieblingsmethoden zur Transfersicherung auch das Lernjournal. Und übrigens: Wie treffend, originell oder geschliffen wir formulieren, ist ganz uns belassen und unserem eigenen Ehrgeiz. Hauptsache wir schreiben. Es gilt wie so oft: Einfach ausprobieren!

Ist Präsenz immer Analog und Digital immer Online?

Begriffsklärungen sind nicht leicht - schon gar nicht, wenn Begriffe Neues in Worte fassen sollen

Oh, was haben wir gerungen. Dabei waren wir schon auf der Zielgeraden, brauchten nur noch einen Titel für das Buch. Jemand schlug vor: Von Präsenz zu Online. Und die Diskussion ging los: Gibt es Präsenz denn nicht online? Ist nicht Analog ein Begriff aus der Tontechnik? Und wann sind wir eigentlich virtuell unterwegs?

Präsenz - physisch, mental, virtuell. Ein Begriff, der selten so durchleuchtet wurde wie jetzt. Hilge Kohler hat sich des Themas angenommen und plädiert dafür, Präsenz auch online zu denken. Das Argument: Erst wenn wir Präsenz in Online-Sessions für möglich halten, können wir über Austausch und interaktives Miteinander nachdenken. Kein Wunder also, dass manche Online-Events mehr an passives Fernsehen erinnern als an Gelegenheiten zum Auseinandersetzen.

Nun, unserer Lerngruppe fiel am Ende die Entscheidung bei der Titelsuche leicht: Wir waren ausgerückt mit dem Ziel, "analoge Seminarmethoden ins Digitale zu übertragen". Davon haben wir uns wochenlang leiten lassen. Deshalb haben wir dieses Gegensatzpaar im Titel gewählt.

In meinem Blog plädiere ich dafür, mehr Präsenz in Online-Sessions zuzulassen.