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CEO-Kommunikation mit KI: Mein Chef, der Avatar?

  • Autorenbild: Hilge Kohler
    Hilge Kohler
  • vor 3 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Die Ankündigung von Mark Zuckerberg kam zum richtigen Zeitpunkt. Der Meta-CEO erklärte, er lasse einen Avatar bauen, der für ihn Aufgaben in der Kommunikation mit Mitarbeitenden übernimmt. Reaktionen folgten prompt und fielen zum Teil heftig aus. 


Zeitlich hätte es nicht besser sein können. Vier Tage nach der Ankündigung hielt ich einen Impulsvortrag zum Thema “CEO-Kommunikation mit KI”. Mein Publikum: Studierende der Weiterbildung "Strategisches Kommunikationsmanagement mit KI” an der Hochschule für Wirtschaft Zürich. In meinem Vortrag ging es um die Frage, wie wir die CEO-Kommunikation mit KI gestalten. 


Da bot sich an zu fragen: Was machen wir, wenn unser CEO auch einen Avatar für die persönliche Kommunikation haben möchte? Was halten wir davon? 



Zuckerberg und sein Avatar


Mark Zuckerbergs Avatar soll direkt mit den Mitarbeitenden kommunizieren. Das sagte der Meta CEO der Financial Times. Weil Zuckerberg nicht genug Zeit zum Kommunizieren hat, soll der Avatar Fragen der Mitarbeitenden beantworten, damit die Arbeit weitergeht. Zudem soll der Avatar mehr Nähe zwischen Mitarbeitenden und ihrem CEO schaffen. 


Zuckerbergs Ankündigung sorgte für Diskussion in Medien und auf LinkedIn. Einige äußerten Verständnis, denn CEOs haben wirklich zu wenig Zeit. Andere meinten, Kommunikation sei eine Kernaufgabe von Führungskräften, für die man sich halt Zeit nehmen muss. Jemand witzelte: "Zuckerberg baut sich den Avatar, damit er endlich nicht mehr selbst kommunizieren muss." 



Was kann KI in der CEO-Kommunikation leisten? 


Ich meine: CEO-Kommunikation lässt sich nicht automatisieren. Ja, der CEO eines Weltkonzerns hat nie genug Zeit, um ausführlich mit Mitarbeitenden zu sprechen. Aber ein Avatar kann den CEO nicht ersetzen, schon gar nicht wenn es um Wichtiges geht. 



Erstens: Ein Bot schafft keine Nähe 


Technisch kann die Sache durchaus funktionieren: Stil erfassen, Stimme einlesen, Bewegungen und Mimik einfangen. Viel Training, Finetuning und Testen. Und irgendwann kommt der Avatar dem Original nahe genug. 


Screenshot des LinkedIn Posts von Wade Foster
Wade Foster auf LinkedIn

Aber wie gerne kommunizieren wir mit einem Avatar? Wade Foster, CEO von Zapier, hat diese Frage gestellt. Vor zwei Jahren nutzte er einen Bot, der in seinem Namen Mails an Mitarbeitende schrieb.



Die Antworten des Bot ließen sich kaum von denen des CEO unterscheiden - aber sie kamen deutlich schlechter an. Schon die Vermutung, dass eine Mail vom Bot und nicht vom CEO persönlich kam, führte dazu, dass Mitarbeitende dem Inhalt weniger vertrauten. 


“Algorithmische Aversion” heißt das Phänomen. Digital erzeugte Inhalte haben für uns nicht den gleichen Wert wie Inhalte, die von einem Menschen geäußert werden. 

Im Wade-Test war diese Aversion stärker bei persönlichen Themen des CEO und weniger stark, wenn es um Informationen oder Motivationsfragen ging. Ein Bot kann also vielleicht einen Platz in der CEO-Kommunikation haben. Aber dieser Platz will sorgfältig gewählt und eingegrenzt sein. Wenn es wichtig wird, muss der Mensch ran. 


Was heißt das für den “Zuckerbot”? Zuckerberg sagt, der Avatar soll Nähe zwischen ihm und den Mitarbeitenden schaffen. Der Wade Test zeigt, dass ein Bot gerade dort versagt, wo es um Persönliches geht. Echte Nähe lässt sich nicht outsourcen.



Zweitens: Kommunikation heißt auch Zuhören 


Führungskommunikation ist keine Einbahnstraße. Führungskräfte brauchen ehrliches, spontanes Feedback. Und das wird kostbarer, je höher man aufsteigt.


Darüber haben sich zwei ausgetauscht, die das Thema aus erster Hand kennen: Tim Höttges, CEO der Deutschen Telekom, sprach mit Christian Klein, CEO von SAP


Screenshot des Gespräches in der Zeit auf LinkedIn
Höttges und Klein im Gespräch

Höttges sagt in dem Gespräch:

„Aus meiner Erfahrung nach zwölf Jahren als Vorstandsvorsitzender kann ich sagen: Die Einsamkeit wächst, je länger man CEO ist, weil es immer schwerer wird, soziale Beziehungen einzugehen.” 


Klein stimmt zu:

“Wenn es gut läuft und die Ergebnisse und der Aktienkurs stimmen, gibt es viele Schulterklopfer, dann sind alle Freunde. Wenn es aber darum geht, zu transformieren und Dinge zu tun, die in der Öffentlichkeit oder bei den Mitarbeitern nicht so gut ankommen, wird es ganz schnell einsam.”


CEOs brauchen Mittel und Wege, um an ehrliches Feedback zu kommen. Wer gern mit Mitarbeitenden spricht, sucht das Gespräch und findet Wege. Auf dem Flur und an der Kaffeemaschine, am Rande des Town Hall Meetings oder der Betriebsversammlung, auf dem Weg zum Kunden oder nach dem Projektpitch. In kurzen Dialogen, kleinen Anmerkungen oder einer beredten Pause. Dann kann man nachfragen und mit Glück ehrliche Perlen fischen. 


Und wenn der Bot anstelle des CEO kommuniziert? Wie hakt der nach und woran merkt er, wenn noch etwas Ungesagtes im Raum schwebt? Erkennt der Bot überhaupt die Worte zwischen den Zeilen? Und was macht er mit den Rückmeldungen? 


An einen Bot oder Avatar lässt sich vielleicht Information auslagern. Aber kein persönliches Gespräch. Wer das tut, verliert eine wertvolle Quelle für ungefiltertes Feedback. 



Drittens: KI ist ein schlechtes Vorbild für die Führungskultur


Wer oben steht, gibt den Ton an. CEO-Kommunikation setzt den Ton für die Führungskommunikation im Unternehmen. Die CEO-Kommunikation prägt unmittelbar die Führungskultur. Wir kennen den Spruch: Der Fisch stinkt vom Kopf. 


Was sagt es über meinen CEO, wenn er sich nicht die fünf Minuten Zeit nimmt, um mir direkt zu antworten? Das fragte jemand in Reaktion auf die Meldung von Mark Zuckerbergs Kommunikations-Avatar. Ich ergänze: Welches Vorbild setzt ein CEO damit für Führungskräfte im Unternehmen?


Mir sagt solch ein Vorbild: „Kommunikation ist eine Aufgabe, die ich delegieren kann, wenn ich Wichtigeres zu tun habe.“ Wenn das zum Prinzip im Unternehmen wird, wie geht es dann weiter? Können Mitarbeitende ihre Antworten auch an Bots delegieren? Kommunizieren dann Bots miteinander, während wir Menschen einzeln vor uns hin arbeiten? 


So weit wird es nicht kommen. Sicher merken wir rechtzeitig, dass Kommunikation eine Lebensader der Organisation ist und dass wir uns eben die Zeit dafür nehmen müssen. Für das Sprechen, Schreiben und Zuhören, und zwar alle zusammen. 



Fazit: Warum KI-Avatare kein Ersatz für die persönliche Kommunikation sind


Wer die persönliche Kommunikation mit Mitarbeitenden an einen KI-Bot auslagert, nimmt in Kauf, dass die eigenen Botschaften an Wert verlieren. Wer nicht selbst kommuniziert, sondern einen Bot sprechen lässt, hört und sieht nicht, wie Mitarbeitende reagieren, und verpasst wertvolle Rückmeldungen. Wer systematisch einen KI-Bot für die eigene Kommunikation nutzt, signalisiert Führungskräften, dass sich Kommunikation automatisieren und delegieren lässt.


Mag sein, dass der “Zucker-Bot” mehr ein Marketing-Gag ist als ein strategisches Projekt. Mag sein, dass viele Führungskräfte mehr die Stirn runzeln als zu applaudieren. Es scheint aber höchste Zeit zu diskutieren, wie viel KI in die zwischenmenschliche Kommunikation passt. 



Wie KI die CEO-Kommunikation stärken kann


Das heißt übrigens nicht, dass Sprachmodelle bei der CEO-Kommunikation nicht helfen können. Sich Unterstützung bei der eigenen Kommunikation zu holen, ist immer eine gute Idee. Hier sind drei Wege, auf denen Sprachmodelle Nutzen stiften, ohne die Kommunikation durch die Hintertür zu schwächen. 


  1. Stil abbilden 


Die persönliche Kommunikation lebt vom eigenen Stil. Wie aber ist mein Stil? Mit Sprachmodellen lässt sich das gut herausfinden. Sie dienen als Analysetool, um den eigenen Stil zu verstehen und gegebenenfalls weiterzuentwickeln. 


Auf Basis der Analyse lässt sich ein Stilbriefing erstellen, mit dessen Hilfe die nächste Mail schneller geschrieben ist. Wohlgemerkt, das Sprachmodell liefert den Entwurf, der Mensch überarbeitet und stellt ihn fertig. 

So lassen sich zum Beispiel Redemanuskripte erstellen, die ein CEO auch wirklich sprechen kann. Oder Mails, die nicht wie Corporate Allerlei klingen, sondern die Persönlichkeit des CEO widerspiegeln. 



  1. An Zielgruppen anpassen


Den Inhalt einer Strategiepräsentation in wenigen Sätzen zusammenfassen? Das Ganze so herunterbrechen, dass auch jemand, der nichts mit Strategie zu tun hat, versteht, worum es geht? 


Für Sprachmodelle ist das leichter als für Menschen. Natürlich prüfen wir, redigieren und passen an. Aber mit der Starthilfe vom Sprachmodell sind wir gut unterwegs. Die Zielgruppe beschreiben, Daten über die Zielgruppe hinzufügen, Auftrag formulieren, und schon kann es losgehen.



  1. Die eigene Kommunikation reflektieren


Wie war das mit dem Feedback? Ja, CEOs bekommen selten ehrliches Feedback, erst recht kein negatives. Das ist auch nicht leicht anzunehmen, schon gar nicht von Mitarbeitenden. Und gute Coaches sind teuer und rar. 


Das Sprachmodell kann einspringen: Im Dialog mit der Maschine kann ich reflektieren, wie ich klinge, ob ich verstanden werde und wo ich nachschärfen muss. Mit ein wenig Vorarbeit wird das Sprachmodell zum Sparringspartner und Coach im Alltag. 



Sprachmodelle als Unterstützung, nicht als Ersatz


Für jede dieser Optionen gilt: Sie unterstützen uns in der Kommunikation, aber ersetzen uns nicht. Sie stärken die persönliche Stimme und verstärken die eigenen Botschaften. Aber sie nehmen uns nicht die Frage ab, was wir wann und wie kommunizieren sollten. Die strategischen Fragen der Kommunikation brauchen Antworten von Menschen. 



CEO-Kommunikation mit KI: Assistenz ja, Automatisierung nein


Mein Fazit fällt klar aus: Ein Bot, der anstelle eines CEO kommuniziert, ist eine schlechte Idee. Bots, die uns in der Kommunikation unterstützen, zum Beispiel als Assistenzen in der Stilentwicklung oder als Sparringspartner im Schärfen von Botschaften und Argumenten: Das ist eine gute Idee. 



Bereit für die CEO-Kommunikation mit KI?


Wer sich jetzt fragt, wie das in der Praxis geht, wird bei mir fündig. In meinen Coachings und Workshops zur Kommunikation mit KI arbeiten wir an konkreten Themen aus dem Alltag der Teilnehmenden.


Ob als Team oder einzelne Führungskraft, ob Einsteiger oder Profi im Umgang mit KI: Ich helfe dabei, aus Sprachmodellen das herauszuholen, was die persönliche Kommunikation schärft und verstärkt. Dabei gilt immer: Die Hauptsache bleibt der Mensch.






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