Prompten gegen den Einheitsbrei: In vier Schritten den eigenen Schreibstil mit KI entwickeln
- Hilge Kohler

- 25. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Ja, mit KI lässt es sich leicht schreiben. Wenn es nur nicht immer so nach KI klingen würde . Aber wie klingen wir eigentlich ohne KI? Wie ist der eigene Schreibstil? Und wie beschreibe ich meinen Stil?
In diesem Blogpost zeige ich, wie wir unserem persönlichen Stil auf die Spur kommen. Damit wir Texte prompten können, die nach uns klingen und nicht nach KI. Ich gebe eine Schritt-für-Schritt Anleitung mit Prompts und Tipps. Ausprobieren erwünscht!
Ein Kollege teilt Tipps auf LinkedIn. Jemand kommentiert: „Der Post ist ja schlimmster KI-Stil. Wenn die Tipps auch auf dem Niveau sind, dann gute Nacht.“ Der Kollege entschuldigt sich: Er habe eine massive Schreibschwäche und könne ohne KI keinen klaren Satz formulieren.
So geschehen vor drei Wochen. So ähnlich geschieht es immer wieder. Ärger um „AI Slop“ und generische Formulierungen, die nach KI riechen.
Auch wenn der Inhalt gut ist: KI-Stil zerstört die Glaubwürdigkeit. Das ist bedauerlich für alle, die sich ohne KI gar nicht zu Wort melden würden. Für die Schreiben ein Kraftakt ist wie für mich das Gewichtheben. Jeder fünfte Erwachsene in Deutschland hat angeblich Mühe, einen Text zu formulieren.
Wer ungern schreibt, dem versprechen Sprachmodelle schnelle Hilfe: Thema eingeben, Inhalte ergänzen, Enter drücken und schon ist der Text fertig. Und damit es nicht so arg nach KI klingt, empfehlen Experten, einfach den Stil zu prompten.
Aber was ist der eigene Stil?
Gerade wer sich mit dem Schreiben schwer tut, kennt oft nicht den eigenen Stil. Wer den eigenen Stil nicht kennt, kann ihn nicht prompten. Und wer den Stil nicht prompten kann, muss nehmen, was das Sprachmodell produziert. Das aber klingt alles ähnlich und austauschbar. - Was tun?
Wie vermeide ich KI-Stil, wenn ich meinen Stil nicht kenne?
KI ist eine erstaunliche Hilfe, um unseren eigenen Stil zu entdecken. Mit Sprachmodellen können wir erkennen, wie wir schreiben und wie wir klingen möchten.
Wie das geht, zeige ich in vier Schritten:
Merke: Wer den eigenen Schreibstil nicht kennt, tischt unweigerlich KI-Einheitsbrei auf. Die Lösung: Nutze KI als Spiegel, analysiere drei bis fünf eigene Texte auf Satzbau und Tonalität und erstelle dein individuelles Stil-Profil.
So geht’s: Den eigenen Schreibstil mit KI entwickeln
Texte sammeln
Du brauchst drei bis fünf Texte von dir. Mit diesen Texten kannst du das Sprachmodell um eine Stilanalyse bitten. Damit das gut funktioniert, müssen die Texte einige Bedingungen erfüllen:
Die Texte müssen aus deiner Feder stammen, denn es geht ja um deinen persönlichen Stil.
Die Texte sollten aus einem ähnlichen Kontext kommen. Wenn du LinkedIn Posts schreiben willst, suche Texte, die du auf LinkedIn veröffentlicht hast. Wenn du Kunden-Mails schreiben willst, suche Kunden-Mails von dir. - Warum? Weil LinkedIn Posts anders formuliert sind als Mails oder WhatsApp Nachrichten.
Wähle Texte, mit denen du zufrieden bist. Schließlich willst du das Beste aus deinem Stil nachstellen.
Die Texte sollten mindestens einige Absätze lang sein. Sie sollten aber auch nicht zu lang sein, also nicht über mehrere Seiten gehen, denn in langen Texten verwässert oft der Stil.
Texte analysieren lassen
Sprachmodelle helfen bei der Textanalyse. Darin sind sie Naturtalente. Schon mit einem einfachen Prompt kannst du ein Sprachmodell bitten, deine Texte zu analysieren, und wahrscheinlich wird ein brauchbares Ergebnis herauskommen.
Wenn du es genauer haben möchtest, gibst du vor, nach welchen Kriterien die Texte analysiert werden sollen. Die Regel: Je ausgefeilter die Kriterien, desto genauer die Analyse und desto genauer kann die KI später Texte in dem Stil erzeugen.
Meine Empfehlung: Starte mit einem einfachen Prompt und prüfe das Ergebnis. Nimm dann einen Prompt mit einer Handvoll Kriterien und schau, wie das Ergebnis dann ausfällt.
Die einfache Version:
Der allgemeinste Prompt wäre so etwas wie:
"Analysiere meinen Schreibstil. Wie klinge ich?"

Als Ergebnis bekommst du eine Stilbeschreibung, die oft brauchbar ist, aber manchmal oberflächlich. Du bekommst dazu einige konkrete Beobachtungen (z.B. "Du nutzt viele Fragen", "Deine Sätze sind kurz"). Aber: Das Sprachmodell nennt oft nur die auffälligsten Merkmale, aber nicht alle relevanten und nicht unbedingt die Merkmale, die dir besonders wichtig sind.
Fortgeschritten:
Ein besseres Ergebnis bekommst du, wenn du gezielt nach Kriterien fragst. Zum Beispiel mit diesem Prompt:
+++ Prompt für Stilanalyse +++
Analysiere meinen Schreibstil. Beschreibe konkret:
Wie sind meine Sätze? (Länge, Struktur)
Welche Wörter nutze ich? (einfach/komplex, bildlich/sachlich)
Wie ist mein Ton? (direkt, freundlich, sachlich...)
Was ist sonst typisch für mich?"
+++

Mit diesem Prompt werden formale Stilmerkmale abgefragt, wie Satzlängen und Wortwahl. Zusätzlich wird nach Tonalität oder Stimmung gefragt und nach typischen Eigenheiten, die deinen Stil vielleicht kennzeichnen.
Texte erzeugen
Jetzt hast du eine Beschreibung deines Stils. Prüfe, ob du dich darin wieder erkennst. Wenn ja, kannst du die Beschreibung nutzen, um Texte in diesem Stil zu erzeugen.
+++ Prompt für Schreibstil: +++
Schreibe einen Text zu folgendem Thema:
[DEIN THEMA/DEINE STICHPUNKTE]
Nutze dabei meinen persönlichen Schreibstil:
[FÜGE HIER DAS STIL-PROFIL AUS DER ANALYSE EIN]
Wichtig:
- Schreibe so, dass man meine Stimme hört
- Vermeide KI-Floskeln wie 'In der heutigen Welt...', 'Zusammenfassend...' oder 'Es ist wichtig zu beachten...'
- Halte dich strikt an meine typische Satzlänge und Wortwahl
+++
Texte prüfen und überarbeiten
Jetzt kommt der entscheidende Schritt. Wie findest du das Ergebnis? Prüfe den Text kritisch und frage dich, ob du wirklich so klingen möchtest. Ändere alles in dem KI-Text, was dir nicht gefällt.
Wenn dir der Text gefällt und du dich darin wieder erkennst: Glückwunsch! Du hast einen neuen Beispieltext, der deinen Stil besser zeigt als alles bisherige.
Im nächsten Post: Stil überarbeiten mit KI
Im nächsten Blogpost zeige ich, wie du deinen Stil überarbeiten kannst, auch wenn dir keine Formulierungen einfallen. Wir nutzen Sprachmodelle als unsere Assistenten und Stichwortgeber.
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Und jetzt: Auf zum eigenen Stil!
Schreib mir in den Kommentaren:
Konntest du deinen Schreibstil mit KI entwickeln?
Wie haben die Prompts funktioniert?
Wo hat es gehakt, was hast du gelernt?
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